ARBEITSGEMEINSCHAFT

Der Elektroanlagenbestand beträgt in Deutschland ca. eine Million Schaltfelder1. Werden jährlich 1,4 % erneuert, sind das 14.000 Schaltfelder pro Jahr.

Bei der Erneuerung von Schaltanlagen hat der Betreiber grundsätzlich 2 Alternativen:

  • Ersatz der Anlage
  • Anpassen und Umbau der Altanlage.

Die Entscheidung wird im Wesentlichen unternehmensintern aus Abwägungen zwischen Nutzen und Aufwand beziehungsweise Notwendigem und Möglichem entschieden. Sie wird zunehmend auf Ertüchtigungen hinauslaufen, da auf der einen Seite der Erneuerungsbedarf steigen wird, auf der anderen Seite die dazu vorhandenen Mittel abnehmen werden. Im Rahmen der DIN VDE 0101 und der BGV A3 (ehemals VBG4) und neuerdings IEC 62271-200 und -202 sind normative Randbedingungen gegeben, die den Ersatz oder eine Ertüchtigung erfordern, um folgende Forderungen zu erfüllen:

  • Mindestanforderungen nach VBG4
  • Personensicherheit nach Stand der Technik
  • Verbesserung der Betriebssicherheit (Vermeidung von Störungen)
  • Fehlende Ersatzteile
  • Überproportionale Kosten
  • Änderung der Netzdaten
  • Variantenumbau oder Erweiterungen
  • Neue Betreiberforderungen und Betreiberstandards
  • Neue Schutztechnik und Leittechnikanbindung

Da bisher keine herstellerneutrale Bewertungsverfahren zur Zustandserfassung existieren, gibt es auf dem Markt keine umfangreichen Analysen und Statistiken. Eine Erneuerungsrate von 1,4 % impliziert eine Lebensdauer der Elektroanlagen von ca. 70 Jahren, wobei diese in der Regel von den Betriebsmitteln nicht erreicht wird (Typische Werte: 30-40 Jahre). Demnach entwickelt sich eine zunehmende Diskrepanz zwischen beiden Werten, woraus zwei innovative Tendenzen abgeleitet werden können:

  • Neu zu errichtende Schaltanlagen müssen voraussichtlich länger halten als bisherige. Dies ist nur durch eine deutliche Verbesserung der Konstruktion möglich.
  • Die im Einsatz befindlichen Anlagen müssen länger funktionieren, als für die Zeit, für die sie vorgesehen sind. Das ist nur möglich, wenn die Restnutzungsdauer durch innovative Diagnose und gezielte Ertüchtigung verlängert werden kann.

Das erklärte Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, die Dienstleistung RecoFit in Deutschland und Europa anzuwenden. Dabei werden die Teilaufgaben Diagnose, Ertüchtigung (Primär- und Sekundärtechnik) und Prüfung bearbeitet. Die einem Lebensdauerverbrauch adäquate Ertüchtigung von Schaltanlagen hat folgende Vorteile gegenüber einer Neuanschaffung:

  • Niedriger Preis (50 - 60 % einer Neuanlage)
  • Erhöhung der Verfügbarkeit und Lebensdauer der Schaltanlage
  • Bestandsschutz alter Anlagenteile
  • Geringerer Schulungsaufwand für Personal
  • Kurze Außerbetriebnahmedauer
  • Kundenspezifische Lösung
  • Erfüllung der technischen Anforderungen nach BGV, DIN und IEC.

Außerdem ist die Etablierung eines Kompetenzzentrums an der HTWD zu diesem Thema ist ein wesentliches Ziel des Projektes. Dies wird nur möglich sein, wenn das für das Projekt notwendige Wissen erwirtschaftet wird und diese auch erhalten bleibt.

Dazu rufen wir Sie auf, sich an unserer Arbeitsgemeinschaft zu beteiligen.

Die Mitglieder:

1 VDEW Störungs- und Schadenstatistik 1990

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